Die unbarmherzigen Schwestern – Filmkritik
Der Film “Die unbarmherzigen Schwestern” zeigt auf eindrucksvolle Weise, wie eine ununterbrochen beschuldigende Erziehungsmethode, die nichts anderes als die Regeln der Erwachsenen kennt und seien sie auch noch so unsinnig, falsch und ungerecht und diese mit Gewalt gegen Kinder und Jugendliche durchzusetzen versucht, das solch eine Erziehung auf lange Sicht scheitern muss, da sie zur Zerstörung führt. Misshandlungen und Missbrauch in den von Nonnen geleiteten Internaten im Irland der 60iger Jahre scheint nicht nur in Irland ein Massenphänomen gewesen zu sein. Auch in Deustchland hat der Film 2002 bewirkt, dass sich erstmalig 60iger Jahre-Heimkinder öffentlich zu Wort meldeten. Erst im Zuge der 68iger-Stundentenrevolte kam es, auch hierzulande, nur durch Massenausbrüche, zu langsamen Lockerungen in den staatlichen und kirchlichen Heimen. Bis zum Jahre 1975 hat es noch “Karzer” gegeben, dunkle Zellen im Keller oder auf dem Boden ebensolcher Heime, wo die Kinder wie im Gefängnis, bei Wasser und Brot isoliert, gepeitscht und angebunden wurden. Von den Zerstörungen an Leib und Seele, die diese Kinder erlitten, handelt der Film. Nicht übertrieben, nicht so, dass man sich gruseln muss, realitätsnah und einfühlsam. Und auch von ihrer Befreiung ist am Ende noch ermutigend die Rede, doch die Folgen sind nicht wieder gut zu machen. Ein Film über die Angst als Mittel der Erziehung und seine schädigenden Folgen. Sehr gut für alle, die sich mit institutioneller Erziehung beschäftigen, auch für Jugendliche geeignet. Der Film veranschaulicht einmal mehr das Prinzip des berühmten Pädagogen Paul Moor: Erst verstehen, dann erziehen und gibt ein Beispiel für die psychischen Folgen erlittener Traumata.
POSTED ON 20. März 2010,